Richtig messen: Auf den Millimeter genau mit der passenden Technik

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ist die Längengradbestimmung auf unserem Planeten gelöst. Heute sind Schrankwände trotzdem gern mal 10 Zentimeter zu breit, die Auslegware dafür 10 Zentimeter zu kurz, obwohl es an Messinstrumenten wahrlich nicht mangelt. Doch jedes hat seine Vor- und Nachteile und je präziser man messen muss, desto kniffliger wird es.

Der Klassiker: Gliedermaßstab

Er wird gern als Meterstab oder Zollstock bezeichnet, aber im vom metrischen Einheitensystem dominierten Europa kann man mit „Zoll“ (1 Zoll=2,54 cm) ja kaum etwas anfangen. Der zusammenklappbare, meist 2 Meter lange Gliedermaßstab ist bei Dachdeckern, Fliesenlegern und im Möbelkaufhaus daheim, hier kann er dank seiner einfachen Handhabung bei einfachen Messungen überzeugen. Solange gerade und kurze Distanzen zu messen sind, gibt es kaum Probleme.

An den Enden des Gliedermaßstabs steht übrigens die Genauigkeitsklasse nach EG-Richtlinie 2004/22/EG. Ist kein Hinweis auf Klasse I, II oder III zu finden, könnte es sich gut um ein billiges, ungenaues Importprodukt aus Fernost handeln – Fehlmessungen sind dann quasi vorprogrammiert, die Qualität der Scharniere ist auch nicht gut.

+ praktisch für einfache Anwendungen
+ sehr günstiger Anschaffungspreis
nur für kurze Distanzen geeignet

Der Klassiker: Das Maßband

Die „weiche Version“ des Gliedermaßstabs ist das allseits bekannte Maßband, welches meist mit 2 oder 3 Meter Maximallänge daherkommt, aber auch mit 5 oder gar 10 Metern erhältlich ist. Dünnes Stahlblech, ein mehr oder weniger großes Gehäuse und eine kleine Bremse, die gern nicht richtig zugreift, sind die prägenden Elemente dieses Entfernungsmessers, der in nahezu jedem Haushalt zu finden ist.

Vollkommen zu Recht übrigens, obwohl eine gewisse Verletzungsgefahr nicht zu bestreiten ist, die etwas scharfen Kanten des Metallbandes sollte man halt nicht unterschätzen. Gern geht auch die Bandfixierung kaputt, das ist ein ärgerlicher Klassiker bei den billigen Modellen auf dem Markt.

+ praktisch für einfache Anwendungen    
+ auch für Rundungen geeignet    
+ sehr günstiger Anschaffungspreis
nur für relativ kurze Distanzen geeignet
eine helfende Hand ist oft notwendig

Für ganze Etagen: Rollbandmaß

Wie das kompakte Maßband, nur halt eben „in groß“ – das Rollbandmaß mit bis zu 100 Meter Länge ist für große Räume, Swimmingpools und natürlich für vielerlei Messungen im Garten eine gute Wahl. Dieser aus der Forstwirtschaft stammende Helfer ist schon für unter 20 Euro zu bekommen und besonders praktisch, wenn man nicht millimetergenau arbeiten muss. Gut zu gebrauchen also für die Planung des Gartenzauns und sogar unschlagbar, wenn es darum geht, Kabellängen auszumessen. Unter der Tür hindurch, hinter der Flurgarderobe entlang, an der Treppe hinauf zum Dachboden – mindestens eine helfende Hand ist dann aber mehr als nur ratsam.

+ für große Distanzen geeignet    
+ ideal für kreuz-und-quer-Messungen    
+ günstiger Anschaffungspreis
unhandlich (v. a. für kurze Distanzen)
eine helfende Hand oft notwendig

Hightech: Laser-Entfernungsmessgerät

Diese modernen Helfer kann man durchaus einmal etwas intensiver betrachten, das lohnt sich auch daher, weil sie eben mehr können, als einfach nur einen Abstand zu messen. Das Messverfahren ist prinzipiell recht einfach, schließlich wird nur die Zeit gemessen, die das Licht braucht, um von Messgerät zur Messstelle und wieder zurück zu gelangen. Diese „Laufzeitmessung“ muss natürlich extrem präzise erfolgen, denn da die Lichtgeschwindigkeit ja 300000 Kilometer pro Stunde beträgt, kann man sich ausrechnen, wie zügig die interne „Stoppuhr“ reagieren muss, um z.B. eine Entfernung von nur 5 Metern berechnen zu können (in diesem Beispiel: eine dreißigmillionstel Sekunde).

Eine Messung ist binnen Sekundenbruchteilen durchgeführt, so gesehen sind die Laserentfernungsmesser konkurrenzlos gut. Einen kleinen Haken gibt es aber: Auch die ruhigste Hand sorgt für ein leichtes Wackeln, dass umso deutlichere Auswirkungen hat, je größer die Messdistanz ist. Eine „Libelle“ (kleine Wasserwaage, verbaut z.B. im PLR 50 von Bosch) ist da richtig praktisch, es wird ja angezeigt, ob der Laserentfernungsmesser gerade gehalten wird. Einige Geräte verfügen auch über Stativgewinde – ganz gewöhnliche, preiswerte (Teleskop)Kamerastative können somit genutzt werden, um auf Nummer Sicher zu gehen. Beim Ausmessen der Grundfläche eines Zimmers gibt es von Hause aus keine Probleme, schließlich kann man das Messgerät ja einfach auf den Boden legen und da dann ja auch die gern einmal die Planung erschwerenden Fußleisten eingerechnet werden, ist die Messung schnell und hochpräzise durchgeführt.

Gerade bei der Flächenberechnung zeigen die modernen Laser-Geräte zudem noch einen weiteren Vorteil: Statt zum Taschenrechner zu greifen, kann man die Rechenarbeit auch dem Laser-Entfernungsmesser überlassen. Im Kopf lassen sich 4 mal 5 Meter ja leicht berechnen, da braucht es kein Hilfsmittel, aber 4,38 mal 5,27 Meter … das ist schon etwas kniffliger. Einfach Länge #1 und Länge #2 multiplizieren und schon zeigt z.B. das LDM 70 von Toolcraft an, wie groß die Auslegeware sein muss. Die praktischen Helfer gehen aber noch einen Schritt weiter, nämlich in die 3. Dimension, und können daher auch ein Volumen berechnen. Dazu muss ja einfach nur eine dritte Länge multipliziert werden, schon weiß der Anwender, wie groß z.B. die Lüftungs- oder Klimaanlage dimensioniert sein muss. Ein vierter Klick beim Testboy TV 600 reicht also aus, schon ist klar, dass er Raum doch ein paar Kubikmeter größer ist, als man angenommen hat.

Eine spezielle Funktion, die in der Praxis eher selten Anwendung findet, aber im Falle des Falles wertvoll sein kann, ist die Pythagoras-Berechnung (a² + b² = c²). Lässt man den Entfernungsmesser „a“ und „b“ messen, so quadriert er die einzelnen Längen, addiert sie dann, bildet die Hypothenusenlänge und zieht hieraus die Quadratwurzel. Wie im Mathematik-Unterricht, aber eben deutlich bequemer.