Das Thema namens Bügeln war auch auf der diesjährigen IFA wieder ein großes – Grund genug, einige IFA-Neuheiten quasi direkt von der Messe ins Labor zu holen und sie umgehend zu testen … mit einigen durchaus erstaunlichen Ergebnissen. Lesen sie alles hier im Dampfbügeleisen Test!

Die Testgeräte im Dampfbügeleisen Test

Grundig SX 8570
Rowenta DW 7110
Philips GC 3810
Morphy Richards Breeze Ceramic
Philips GC 4928

 
Man mag denken, dass im Bereich der Dampfbügeleisen schon alles getan (entwickelt und optimiert) wurde und die Jahr für Jahr erscheinenden Neuheiten eigentlich gar nicht nötig sind, doch da irrt man sich und dies zeigt eindrucksvoll der Testsieger dieses Vergleichstests.

Temperaturen und Abweichungen

Ohne die richtige Bügelsohlentemperatur gestaltet sich das Bügels bekannterweise nicht sonderlich gut, möglichst geringe Schwankungen der Sohlentemperatur sind wichtig für das bequeme Arbeiten, eine gut einstellbare Sohlentemperatur ebenso. Vor allem das brandneue SX 8570 von Grundig zeigte sich hier von seiner besten Seite, selbst im hohen Temperaturbereich von rund 200°C (für robuste Baumwolle und Leinen) kam es nur zu geringen Temperaturschwankungen zwischen 190 und 205°C. Auch das Breeze Ceramic von Morphy Richards konnte überzeugen, zwischen 205 und 225°C schwankte die Temperatur hier. Im mittleren Temperaturbereich von 160°C allerdings kühlte es bis auf 130°C ab – dies sorgte für Abzüge in der Teilnote.

Im Vergleich zum teuersten Modell im Dampfbügeleisen Test, dem GC 4928 von Philips, sind die Abzüge des preiswerten Morphy Richards aber gering, das Top-Modell von Philips hat stark mit seiner „OptimalTEMP“-Funktion zu kämpfen, diese automatische Temperatureinstellung bzw. -anpassung konnte nicht überzeugen, zwischen135 und 195°C schwankte die Temperatur. Für den alltäglichen Standard-Anwendungsbereich ist das OK, für Leinen aber zu kühl, für die meisten Synthetikstoffe hingegen zu heiß. Auch nach 10 Minuten Bügeln schwankte die Temperatur noch zwischen 150 und 180°C. Ähnliche Differenzen waren auch beim DW 7110 von Rowenta zu messen, allerdings erlaubt dieses Modell die manuelle Temperatureinstellung und kann damit die leichte Schwäche richtig gut „ausbügeln“.

Wasserdampf und Sprühnebel

Die Kernaufgabe eines Dampfbügeleisens beherrschen die Testkandidaten durchweg, allerdings mit doch sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Während das SX 8570 dank der integrierten Pumpe (diese Konstruktion kennt man von Dampfbügelstationen) konstant sehr viel Dampf (gemessen 45,3 Gramm pro Minute) liefert, dabei nicht tropfend, kleckernd oder pulsierend den Dampf abgibt, ist die Dampfkonstanz beim GC 4928 zwei Klassen schlechter. Erstens erreicht es nur 25g/min und zweitens tut es dies nicht konstant. Dass es Philips besser kann, zeigt eindrucksvoll das GC 3810: Die Abweichung vom Soll-Wert ist die geringste im Testfeld (nur 2g/min weniger als Philips selbst angibt), der Dampf tritt zudem gleichmäßig aus. So wie auch beim Rowenta und beim Morphy Richards, wobei letzteres nur 29 statt 45g/min liefert.

Ähnlich starke Unterschiede gibt es auch beim Dampfstoß, der beim Rowenta einem „Dampf-Orkan“ gleicht, beim GC 4928 eher einem lauen Dampf-Lüftchen. Beim Vertikaldampf schießt das Rowenta den Dampf mit einem enormen Druck heraus, rund einen Meter wird er horizontal durch die Luft gedrückt oder, um bei der Praxisnähe zu bleiben: Er durchdringt auch dicken Wollfilz. Kaum schlechter zeigt sich das Grundig, auch hier sind dicke Stoffe keine Herausforderung für den Dampfstoß. Die von den Herstellern angegeben Werte bzgl. der Dampfstoßmenge in Gramm pro Minute sind in der Praxis nicht zu erzielen, der Kaufinteressent und Anwender sollte sich von den teils hohen Werten (200g/min sind heute keine Seltenheit mehr) nicht irritieren lassen. In der Praxis müsste der Anwender z.B. 200 mal die Dampfstoßtaste beim DW 7110 drücken. Auch trainierte Bügelprofis schaffen dies nicht, genau so wenig wie die Geräte an sich. Es sind also hochgerechnete Werte, die zwar werbeträchtig sind, für die Praxis aber herzlich irrelevant. Abgesehen von der Dampfmenge ist v.a. der Dampfdruck wichtig und hier sind allein Grundig und eben v.a. Rowenta eine Klasse für sich.

Eine Klasse für sich ist das Breeze übrigens auch bei einem Funktionstest: Sehr gleichmäßig, ohne Tropfen und besonders fein ist der Sprühnebel, der beim Betätigen der Sprühfunktion austritt. Hier ist Morphy Richards schlicht eine perfekte Realisierung gelungen. Nur das SX 8570 kann hier noch mithalten, etwas weniger fein und ab und zu mit einem Tropfen versehen gestaltet sich hier der Sprühnebel. Am Ende des Rankings ist wieder das GC 4928 zu finden, die reine Wassermenge ist die geringste im Testfeld, die Tropfen zudem am häufigsten und größten.

Gleitfähigkeit und Plätten

Egal ob Edelstahlbügelsohle (Rowenta) oder besonders beschichtete Bügelsohle (z.B. Grundig): Die Gleiteigenschaften aller Testkandidaten sind erstklassig, sowohl auf trockenen Stoffen als auch bereits stark bedampften. Auf typischen Bügelstücken wie Baumwollhemden und Leinenhosen zeigen alle Modelle im Test eine gute (Philips und Morphy Richards) bis sehr gute Leistung (Grundig und Rowenta). Bei Bettlaken und Wollfilzmantel hingegen schwächeln dann drei der fünf Geräte im Dampfbügeleisen Test, das SX 8570 und das DW 7110 hingegen können v.a. dank der starken Dampfstoßfunktion hier bestens die Falten ausbügeln.

Auch das GC 3811 erlaubt ein angenehmes und erfolgreiches Arbeiten, das GC 4928 hingegen benötigt schlicht und einfach etwa doppelt so viel Bügelzeit, die vglw. niedrige Sohlentemperatur in Kombination mit der kaum besseren Dampffunktion sorgt für dieses Problem. Aufgrund der Sohlentemperatur musste im Dampfbügeleisen Test auch die Testreihe an Seide frühzeitig abgebrochen werden, es konnte keine Sohlentemperatur erzielt werden, die den Pflegehinweisen der Wäscheproduzenten entsprach.

An Knopfleisten und Hemdkragen wussten besonders die abgerundeten und sehr flachen Bügelsohlen von Breeze Ceramic und SX 8570 zu überzeugen, ganz elegant lassen sich beide Dampfbügeleisen durch diese Problemzonen manövrieren. Auch das DW 7110 gibt sich hier keine Blöße, die speziell geformte Sohlenspitze (leicht eingeknickt und nach innen geschwungen) erlaubt das sehr, sehr präzise Führen des Bügeleisens auch in sich verjüngenden Stoffregionen.

Schalter und Tanks

Die Bedienelemente
 ähneln sich sehr stark, mal ist das Drehrad feinst gerastert und sehr leichtgängig (Breeze), mal feinstgerastert und „nur“ leichtgängig (Rowenta), mal ist der Griff angenehm gummiert (wieder Rowenta), mal aus glattem Kunststoff (Grundig), selbst bei der Temperaturskalierung und beim Einfüllen (mit dem Messbecher von Grundig am einfachsten) sind die Unterschiede gering. Bei der Aufheizzeit kann sich der Anwender kaum noch in Ruhe zurücklehnen, binnen 40 Sekunden (Morphy Richards) bzw. maximal 60 Sekunden (Grundig) sind die Geräte auf Höchsttemperatur einsatzbereit – das ist durchweg sehr gut. Eine dreifache Sicherheitsabschaltung (liegen/stehen/auf der Seite liegen) gehört heute zum Standardpaket der Dampfbügeleisen, eine wirklich bequeme Kabelaufwicklung hingegen nicht, die kleinen Clips bei Grundig und Rowenta sind gut, aber nicht sehr gut, die Clips bei Philips weisen einen vglw. hohen Widerstand auf, beim Breeze fehlt der Clip leider komplett.

Die Reinigung der Testkandidaten im Dampfbügeleisen Test geht durchweg flott von der Hand, das Gehäuse reinigt man am besten mit einem feuchten, fusselfreien Tuch, die Entkalkung geschieht auf Knopfdruck samt Ausgießen – bis auf Rowenta, wo ein kleiner Kalkfang im Heck des DW 7110 verbaut wurde. Man kann aber, und dies als praxisnaher und wirklich empfehlenswerter Tipp unterstrichen, auch auf destilliertes, entmineralisiertes Wasser setzen (so empfiehlt es auch Morphy Richards), 5 Liter sind für unter 2 Euro im Supermarkt zu bekommen – die Heizelemente der Dampfbügeleisen werden hiermit erst gar nicht der Kalkbelastung ausgesetzt und können über Jahre hinweg unbeirrt ihrem Job nachkommen.

Fazit

Das SX 8570 als konsequente Weiterentwicklung des Vorgängermodells erzielt nicht nur den Testsieg im Dampfbügeleisen Test, sondern auch als erstes Dampfbügeleisen überhaupt ein „Sehr Gut“. Zu verdanken ist dies ganz klar der integrierten Pumpe, die für eine exzellente Dampffunktion sorgt, aber auch der Bügelsohle und dem Bedienkonzept. Beachtenswert ist aber auch das preislich ja alles andere als in der Champions League spielende Breeze Ceramic: Es bietet nicht die ultimative Leistung, aber für die Bügelpraxis ein extrem gutes Preis/Leistungsverhältnis – Morphy Richards, der Erfinder des elektrischen Dampfbügeleisen, hat hier ein echtes Schnäppchen im Angebot.

Wer auf eine möglichst hohe Dampfstoßleistung setzt, kommt am DW 7110 kaum vorbei, Rowenta bietet hier die Maximalleistung. Im Dampfbügeleisen Test zeigt sich allein das GC 4928 von einer sehr durchwachsenen Seite, die Differenzen zwischen Herstellerangabe und Realität sind groß, die nicht einstellbare und eben nicht immer optimale Bügelsohlentemperatur stört in der Bügelpraxis.

Testverfahren
Die Testgeräte: 5 Dampfbügeleisen
 
Funktion: In Anlehnung an DIN EN 60341 werden für die verschiedenen Regeleinstellungen die Bügelsohlentemperaturen inkl. der Wärmeverteilung ermittelt, zudem auf Maximalstufe die Dampfdosis, die Dampfstoßmenge und die Sprühmenge. Das Bügeln erfolgt an unterschiedlicher, der DIN EN 60456 entsprechenden Wäschestücken. Die Aufheizzeit bis zum Erreichen der für Leinen bzw. der maximalen Sohlentemperatur wird gemessen und vergleichend bewertet.
 
Handhabung: Eine Gruppe geschulter Probanden bewertet im Dampfbügeleisen Testdie Bedienfreundlichkeit der getesteten Dampfbügeleisen. Beurteilt werden das Wassereinfüllen, sämtliche Skalierungen, die Einstellung der Temperaturstufen, die Ergonomie von Griff und allen Bedienelementen sowie das Verstauen des Netzkabels. Bei der Reinigung wird überprüft, wie sich die Entkalkung der Geräte gestaltet. Die Bedienungsanleitung wird im Dampfbügeleisen Test einerseits auf die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitshinweise untersucht, dann anhand der Qualität bewertet (Bebilderung, Struktur, Schriftgröße, Anwendungs- und Pflegehinweise).
 
Verarbeitung: Die Probanden untersuchen und bewerten im Dampfbügeleisen Test die allgemeine Wertigkeit der verwendeten Materialien, Spaltmaße sowie Gussrückstände und das Nicht- bzw. Vorhandensein von Graten.

Autor: Jan Stoll

Technische Daten

 Tabelle

Bildquelle:

  • Online-Test_Dampfbügeleisen_Startbild: © Philips