Die älteste aller Kaffeespezialitäten ist in deutschen Landen eine weitgehend unterschätzte, im Orient hingegen ist sie ein Synonym für den alltäglichen Kaffeegenuss ist. Ein feiner, aromatischer, runder Mokka kann aber auch skeptische deutsche Gaumen erfreuen und wie das geht, zeigt der Arzum Okka Minio.

 Das Testgerät im Arzum Okka Minio Test

Arzum Okka Minio

 
Der Beiname Minio lässt bereits erahnen, dass dieser Mokkabereiter ein kompakter Vertreter seiner Art ist und hat man den Okka Minio aus seiner Verpackung befreit, wird auch unmittelbar deutlich, dass er auch kein kompliziertes Gerät ist. Er ähnelt stark einem elektrischen Milchaufschäumer, der in einem kleinen Gehäuse steht, und tatsächlich täuscht dieser erste Eindruck nicht.

Schnell und heiß beim Arzum Okka Minio

Dem simplen Konstruktionsprinzip liegt eine simple Logik zugrunde, denn die Mokkazubereitung erfolgte schon vor 500 Jahren auf eine sehr ähnliche Art und Weise, statt eines integrierten 480 Watt starken Heizelementes benutzte man im Osmanischen Reich natürlich ein kleines Kännchen auf einer Feuerstelle – das funktionierte damals schon und tut es heute mit Stecker und ohne Verbrennungsgefahr genau so. Man gibt die gewünschte Menge Mokkapulver in die Kanne, gibt die gewünschte Menge Wasser dazu, rührt das Kaffeepulver unter (am besten funktioniert dies mit einer kleinen Gabel), stellt die Kanne ins Gehäuse und betätigt den Start-Knopf auf der Gehäuseoberseite.

Nach 140 Sekunden sind zwei Tassen Mokka aufgebrüht, nach vier Minuten dann derer vier Tassen, jeweils begleitet von einem Signalton und einem bereits aus der Ferne wahrzunehmenden Kaffeeduft. Dank des Brühverfahrens liegt sowohl die Brüh- als auch die Kaffeetemperatur auf einem extrem hohen Niveau, nämlich bei fast 100 Grad Celsius, was physikalisch ja auch logisch ist und natürlich auch Auswirkungen auf das Geschmackserlebnis hat – sehr positive Auswirkungen!

Das Zusammenspiel

Es ist das Zusammenspiel aus Heizleistung, Temperaturverlauf und dem verwenden Mokkamehl „Türk Kahvesi“ von Kiva Han, welches dafür sorgt, dass der Mokka weich und aromatisch, süßlich-zartbitter und sehr schokoladig ausfällt und dazu eine nur ganz dezente Säuerlichkeit aufweist. Die Komponenten sind perfekt aufeinander abgestimmt, was vielleicht nicht ganz einfach nachzuvollziehen ist, da die 480 Watt Heizleistung ja ein alles andere als imponierender Wert sind.

Just diese Leistung ist aber treffend gewählt, denn wenn sie deutlich höher läge (bei z.B. Filterkaffeemaschinen sind 1000 Watt ja keine Seltenheit), würde der Ankochprozess sich stark verkürzen und die Aromaextraktionsphase (konkret: das Ausschwemmen der Aromen) dementsprechend kürzer ausfallen. Würde das Heizelement deutlich schwächer sein, würde sich die Temperatur des Wassers nur langsam erhöhen, damit die Aromaextraktionsphase natürlich ebenfalls deutlich länger ausfallen, was dann für die Ausbildung von unerwünschten Nebengeschmäckern sorgen kann.

Leistung hin, Ankochdauer her, ohne eine präzise funktionierende Abschaltung könnte der Mokka aber verkochen oder gar überkochen – um dies zu verhindern, setzt Arzum auf eine interessante technologische Lösung: Wird die Mokkakanne eingesetzt, drückt diese über einen kleinen Hebel an der heckwärtigen Innenseite des Gehäuses einen kleinen Sensor herunter, der dann ein stückweit in die Kanne hineinragt. Fängt der Mokka in der Kanne dann an zu kochen, löst der Sensor die Abschaltung des Heizelementes aus.

Arzum bezeichnet den Sensor als „akilli“ („schlauer Sensor“), für den Techniker ist er ein Temperatursensor des Thermostatsystems des britischen Weltmarktführers Strix und für den Anwender – und das ist sicherlich am wichtigsten – ist es ganz einfach die exzellent funktionierende Abschaltautomatik mit Überkochschutz. Selbst bei einer Überfüllung der Kanne, was durchaus vorkommen kann, denn die „max“-Markierung auf der Innenseite der Kanne ist nicht gut zu erkennen, im Bereich von zwanzig Prozent (Standardprozedere innerhalb des Testverfahrens) löst der Sensor stets zuverlässig aus.

Tropffrei und genügsam

Der lockere Kaffeeschaum, dessen Volumen nicht ganz so umfangreich wie beim großen Bruder namens Okka (Test in Ausgabe 2/2017) ausfällt, lässt sich wie auch der Mokka selbst sehr gut aus der Kanne gießen. Dank der beidseitigen Ausgusstüllen ist die Kanne für Links- und für Rechtshänder gleichermaßen gut geeignet. Mit etwas Übung kann man einen Großteil des Kaffeesatzes auch aus der Tasse fernhalten, was sicherlich sehr interessant für Mokka-Neulinge ist, die sich doch etwas an der typischen mehligen Textur des Mokkas stören, ihn aber trotzdem aufgrund seines Geschmacks sehr mögen werden.

Den Energieverbrauch des Arzum Okka Minio kann man im Übrigen auch sehr mögen, lediglich 16 Wattstunden (Wh) werden für einen doppelten Mokka benötigt, das entspricht exakt dem Wert, welcher auch das Brudermodell aus selbem Hause benötigt. Für den vierfachen Mokka (250 Milliliter) werden nur 25 Wattstunden benötigt, auch dies ist ein exzellenter Wert und auch diesmal sei der Quervergleich zu einem Espresso gezogen, der aus einem Siebträger oder Vollautomaten die vierfache Energiemenge benötigt. Der Minio liegt, um einen Quervergleich ohne Druckbrühverfahren zu ziehen, auf Augenhöhe mit den effizientesten Filterkaffeemaschinen, pro Liter benötigen diese ebenfalls ca. 100Wh.
Die Reinigung des Arzum Okka Minio ist prinzipiell eine simple Prozedur, das Kännchen lässt sich mit einem Tropfen Spülmittel und heißem Wasser ausspülen, beides ist allerdings Pflicht, da die Kaffeeöle und -fette sich sonst nicht lösen.

Auf Schmutzreste an den kleinen Stabilisierungsstegen an der Unterkante, am Rand des Heizelements im Känncheninneren, sollte man auch achten, hier bleibt nämlich gern etwas Kaffeesatz zurück. Eine haushaltsübliche Spülbürste sorgt dann aber für Reinheit. Sollte das Kännchen doch mal überfüllt sein, was den Schaum sehr stark quellen lässt, muss auch der Temperatursensor sowie seine leicht verdeckte Warteposition unterm Dach des Gehäuses gereinigt werden. Ein weiches Spültuch ist hier das Mittel der Wahl.

Fazit
Der Arzum Okka Minio zaubert auf Knopfdruck einen sehr aromatischen Mokka ins Kännchen, tut dies zudem zügig und auch noch sehr energieeffizient. Dank der kompakten Maße und des im Vergleich zum großen Okka-Modell deutlich geringeren Kaufpreises ist der Minio ein verlockendes Gerät für Mokkafreunde und solche, die es noch (!) nicht sind.

Autor: Jan Stoll

Technische Daten und Auswertung

Mokkabereiter

Arzum

Okka Minio

 

Technischen Daten

Marktpreis*/UVP

105 Euro*/130 Euro

Maximalleistung

480 W

Kaffeevolumen/Tassenhöhe

1 bis 4 Tassen (ca. 250 ml)

Gerätemaße (B×H×T)

15×22×18 cm

Kabellänge

85 cm

Ausstattung & Zubehör

  • „IntelBrew“-System (Abschaltautomatik mit Überkochschutz)

  • Signaltöne

  • Portionierlöffel

Ergebnis

1,6 (gut)

Funktion

35%

+ + +

1,4

Brühtemperatur

30%

+ + +

1,0

Kaffeetemperatur

30%

+ + +

1,0

Schaumkrone

20%

+ +

2,0

Zubereitungszeit

20%

+ +

2,0

Handhabung

25%

+ +

2,1

Bedienfreundlichkeit

50%

+ +

2,0

Reinigung

40%

+ +

2,3

Bedienungsanleitung

10%

+ +

1,5

Sensorische Beurteilung

25%

+ + +

1,3

Verarbeitung

10%

+ +

2,2

Energieverbrauch

5%

+ + +

1,0

Testurteil

Garantiert einen energieeffizienten und
vollaromatischen Mokkagenuss

*zum Redaktionschluss, tagesaktueller Preis kann variieren

Bewertungsschlüssel: 1,0 – 1,4: sehr gut (+ + +), 1,5 – 2,4: gut (+ +), 2,5 – 3,4: befriedigend (+), 3,5 – 4,4: ausreichend (–), 4,5 – 5,0: mangelhaft (– –), 6,0: durchgefallen (– – –)

Bildquelle:

  • heftkaufen_logo: © Auerbach Verlag
  • Arzum-Okka-Minio: © Arzum
  • Test_Mokka-Bereiter-Arzum-Okka-Minio_Startbild: © elvil - Fotolia.com, Arzum