Wunderwaffe für Gesundheit und Glanz: Ionisierende Haartrockner

Ionisierende Haartrockner

Als Wunderwaffe gegen trockenes Haar versprechen Föhngeräte mit Ionentechnologie mehr Gesundheit und Glanz für strapazierte Schöpfe. Welches Verfahren dem pflegenden Effekt zugrunde liegt, verrät Ihnen unser Artikel.

Gesundes, glänzendes Haar vom Scheitel bis zur Spitze – ein Wunsch, für dessen Erfüllung in Deutschland jährlich etwa drei Milliarden Euro in kosmetische Pflegeprodukte investiert werden. Volumenshampoos und rehydrierende Spülungen bilden nur die Spitze des Eisbergs der enormen Auswahl an Artikeln, die mehr Fülle, weniger Spliss oder Abhilfe bei trockenem Haar versprechen. Doch was nützt es, wenn der Effekt pflegender Inhaltsstoffe direkt nach dem Waschen durch Föhnhitze und Glätteisen wieder verpufft? Dass der Haartrockner möglichst auf niedrigste Temperaturstufe gestellt und Styling-Geräte nur selten genutzt werden sollten, ist längst kein Geheimtipp mehr. Mittlerweile tummeln sich in den Regalen der Fachmärkte aber auch technische Innovationen, mit denen spröde Spitzen bald der Vergangenheit angehören sollen. Haarglätter, Föhne und sogar elektrische Bürsten werden mit ionisierender Wirkung angeboten, um elektrostatische Aufladung des Haars zu verhindern und die Belastung der Hornstruktur durch kürzere Trocknungszeiten zu minimieren. HAUS & GARTEN TEST erklärt, wie diese Technologie funktioniert, und stellt Ihnen acht aktuell erhältliche Produkte vor.

Was sind Ionen?

Seidig glänzendes Haar durch negativ geladene Teilchen in der Föhn-Luft?
Seidig glänzendes Haar durch negativ geladene Teilchen in der Föhn-Luft?

Im neutralen, also ladungsfreien Zustand beinhaltet ein Atom oder Molekül ebenso viele Elektronen wie Protonen. Diese Teilchen gleichen sich gegenseitig aus. Kommt es zu einem Elektronenüberschuss, entsteht eine negative Ladung. Sind dagegen mehr Protonen vorhanden, wird die generierte Ladung positiv. In beiden Fällen jedoch werden die geladenen Atome oder Moleküle „Ionen“ genannt.

Wie funktioniert ein Ionenföhn?

Eigentlich wird nicht direkt Ihr Haar ionisiert, sondern die vom Föhn ausgestoßene Luft. Sie ist bei professionellen Geräten mit bis zu eineinhalb Millionen Ionen pro Kubikzentimeter angereichert. Für diesen Effekt werden die Moleküle der angesaugten Luft durch eine hohe Spannung im Föhn gespalten. Anschließend versieht das Gerät die Teilchen mit negativer Ladung, indem es einen überschuss an Elektronen einspeist. Die entstehenden Ionen werden durch den Luftstrom ins nasse Haar getragen und lagern sich dort an.

Wie wirkt die Ionisierung?

Ob die Ionen tatsächlich einen Unterschied machen, verrät uns ein Profi
Ob die Ionen tatsächlich einen Unterschied machen, verrät uns ein Profi

Die Anbieter von Styling-Geräten mit Ionentechnologie verweisen auf eine Reihe deutlicher Vorteile ihrer Produkte. Zum einen wird durch die verteilten Ionen das Wasser in feine Partikel zerstäubt, die besser vom Haarschaft absorbiert und gespeichert werden können. Die überschüssige Restfeuchtigkeit trocknet um einiges schneller als mit herkömmlichen Föhngeräten, wodurch weniger Luftzufuhr und Hitze benötigt werden. Diese Zeitersparnis kommt allerdings nicht jedem gelegen: Wer für gewöhnlich mit Rundbürste und Stielkamm bewaffnet seinen eigenen Look kreiert, hat mit einem Ionenföhn möglicherweise den Schopf bereits getrocknet, noch bevor er richtig modelliert ist. Die Struktur Ihrer Haare wird Sie allerdings für die Entlastung aufgrund der geringeren Trockenzeit und -temperaturen mit mehr Geschmeidigkeit belohnen. Fliegenden Haaren, die zum Beispiel durch elektrische Aufladung beim Tragen von Kunstfasern entstehen, wird durch die Ionisierung ebenfalls entgegengewirkt. 

Nur heiße Luft?

Sven Hentschel, Friseurmeister mit drei eigenen Salons, stylte schon Cheryl Shepard und Uma Thurman

Hand aufs Herz: Funktioniert der von den Herstellern angepriesene Effekt wirklich? Wir haben bei einem Profi nachgefragt und aufschlussreiche Antworten erhalten! Sven Hentschel, Friseurmeister und Inhaber dreier eigener Salons, stand uns Rede und Antwort.

Wir haben ionisierende Haartrockner in unseren Salons getestet und keine größeren Unterschiede zu unseren Haarföhnen feststellen können. Ionisierende Föhne machen laut Hersteller das Haar weicher und laden es nicht statisch auf. Diese Eigenschaften besitzen auch Profiföhne im oberen Preissegment. Ein besseres Ergebnis durch ionisierende Föhne konnten wir allerdings bei Gästen mit Naturwellen/ Locken feststellen. Da diese Haare wesentlich stärkere strukturierte Oberflächen besitzen, werden sie durch den Ionenföhn besser gebündelt und es entsteht eine schön geformte geschlossene Welle (das Haar krisselt nicht und wird weniger beansprucht). Mittlerweile gibt es auch Föhne, die beides können bzw. eine abschaltbare Ionenfunktion besitzen. Diese sind für mich die optimale Lösung.

Tipp: Ein guter Föhn – egal welcher Art – kostet sicher etwas mehr, aber die Erfahrung unserer Gäste zeigt meist viele Jahre eine gute Zufriedenheit.

Bildquelle:

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