Ein guter Schlafsack ist für Rucksacktouristen, Camper und Bergwanderer ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer Reiseausrüstung. Wer nicht zuhause oder in einem Hotelbett schläft, möchte es trotzdem warm und bequem haben. Wir testen fünf Modelle für verschiedene Temperaturen und Einsatzbereiche. Lesen Sie mehr in unserem Schlafsäcke Test 2020.

Die Testgeräte im Schlafsäcke Test 2020

Schlafsäcke:
Vaude Meglis 700 Syn
Deuter Exosphere 0°
Outwell Constellation
Outwell Contour Surpreme
Semptec NX-7590

Zerknittert und zerknauscht, fröstend und unausgeruht, so soll eine Nacht im Schlafsack möglichst nicht enden. Nicht jedes Modell ist für jedes Abenteuer geeignet. Wer den Schlafsack während Trekkingtouren, Expeditionen, Radwanderungen und als Backpacker mit sich herumträgt, legt sicherlich mehr Wert auf ein kleines Packmaß als ein Camper, der den Zeltplatz während seines Urlaubs nicht wechselt. Unterwegs ist ein optimales Wärme-Gewichtsverhältnis eines der wichtigsten Auswahlkriterien. Wer den Schlafsack lediglich drinnen oder im Sommer benutzt, beispielsweise bei Übernachtungen bei Freunden, im Wohnmobil, in der Gartenlaube oder Hütte, braucht nicht unbedingt ein Modell, das für niedrige Temperaturen konzipiert ist.

Vor dem Kauf eines Schlafsackes gilt es daher zu überlegen, wofür man ihn verwenden möchte – und vor allem bei welchen Temperaturen. Bei Reiseplanungen ist es empfehlenswert, die mögliche Tiefsttemperatur vor Ort herauszufinden und dann auf die Suche nach einem passenden Modell zu gehen. Dabei spielen Unterschiede zwischen Männern und Frauen ebenso eine Rolle wie das persönliche Wärmeempfinden. Entscheidungshilfen bietet die Europäische Norm EN 13537. Nach ihr geben die Hersteller drei Temperaturbereiche für ihren Schlafsack an – Komfort, Limit und Extrem. Die Temperaturen im Hauptanwendungsbereich sollten laut Experten immer im Komfortbereich liegen, da empfindliche Personen darunter bereits anfangen zu frösteln. Der Limitbereich nennt den unteren Temperaturwert, unter denen der „Norm-Mann“ (25 Jahre, 70 kg, 173 cm) eine Nacht lang noch bequem schlafen kann. Temperaturen im angegebenen Extrembereich bergen das Risiko einer Unterkühlung.

Der clevere Wärmekragen bei Vaude schützt vor Zugluft und sorgt für mehr Komfort

Gemütlich unterm Sternenhimmel

Unsere fünf Testmodelle eignen sich laut Herstellerangaben nicht alle für die gleichen Temperaturbereiche (siehe Tabelle). Mit zwei Grad weist Vaude den niedrigsten Komfortwert aus. Contour Supreme von Outwell ist ein Wendemodell mit einer Sommer- und einer Winterseite. Bei allem fünf Kunstfasermodellen lässt sich die Temperatur einerseits über Zwei-Wege-Reißverschlüsse regulieren. Schließlich soll es auch nicht zu warm sein. Anderseits gibt es Funktionselemente, die die Zugluft stoppen und so für mehr Gemütlichkeit im Zelt oder unterm Sternenhimmel sorgen – wie winddichte Reißverschlüsse und (bei den drei Mumienschlafsäcken) anpassbare Kapuzen und Wärmekragen. Hier überzeugt besonders Vaude: Der weiche, warme Kragen schmiegt sich an den Nacken, ganz ohne störende Kordeln.
In Sachen Schlafkomfort zeigen die Testmodelle gute Grundvoraussetzungen. Die Innenstoffe werden als angenehm auf der Haut empfunden. Die Hüttenschlafsäcke bieten selbst für größere Menschen eine gewisse Bewegungsfreiheit. Die Mumienschlafsäcke sind (zur besseren Isolierung) enger geschnitten, jedoch sind Deuter und Vaude durch Stretcheffekte sehr elastisch und recht bequem.

Bis auf Constellation haben alle Testprodukte Innentaschen, um Dinge wie Geld, Smartphone, Ausweis oder Schlüssel zu verstauen. Bei Deuter (Klettverschluss) und Vaude (Reißverschluss) sind sie so positioniert, dass sie verschieden große Testpersonen nicht am Körper stören.

Vom Packsack von Vaude perlen Wassertropfen ab, mehr als beim Schlafsack selbst

Gute Zipper und Zugbänder

Wichtiges Funktionselement bei allen Schlafsäcken ist der lange Seitenreißverschluss. Er soll einfach zu ziehen sein. Dazu müssen die Zipper gut zu greifen sein, am besten von außen und innen. Grundsätzlich ist das bei allen machbar. Besonders praktisch ist der Greifring an den Zippern des Contour Supreme. Lästig wird es allerdings, wenn sich Stoff im Reißverschluss verfängt. Das passiert bei vier Kandidaten, mal mehr, mal weniger. Beim Meglis verhindern spezielle Nähte auf dem angrenzenden Stoff das Verhaken dagegen gut.
Weitere typische Funktionselemente bei Mumienschlafsäcken sind (Klett-)Verschlüsse und Zugbänder zum Anpassen des Kopfteils. Die Mechanismen sind ähnlich und leicht zu bedienen, die verwendeten Materialien unterschiedlich hochwertig. Die beiden Hüttenschlafsäcke im Test hingegen haben diese Funktion überhaupt nicht, sie sind zusätzlich aber als Decke verwendbar, die Kopfteile einfach abnehmbar.
Zur Handhabung eines Schlafsackes gehört das Ein- und Auspacken. Hier muss gerollt oder gestopft, an Zugbändern gezogen (Contour Supreme, Esosphere, NX 7590) oder eingehakt (Meglis) werden. Der Aufwand hält sich in Grenzen. Wer das kleinstmögliche Packmaß erreichen will, ist etwas länger beschäftigt. Bei Constellation lässt sich nichts komprimieren. Er kommt ordentlich zusammengelegt in eine Reißverschlusstasche.

Als Vorteil von Kunstfaser-Schlafsäcken gegenüber Daunenmodellen gilt, dass sie weniger Feuchtigkeit aufnehmen und schnell trocken. In einem Spritzwassertest stellen wir fest, dass bei Deuter die Wassertropfen sehr gut von der schwarzen Außenseite abperlen. Die anderen Modelle nehmen die Feuchtigkeit zumindest teilweise auf, insbesondere Outwell und Semptec. Bei keinem Schlafsack ging ein Spritzer mit der Wasserpistole komplett durch das Material. Insgesamt trocken die Testmodelle schnell, selbst nach dem Waschgang in der Waschmaschine. Einen sehr guten Regenschutz beim Transport bietet der Packsack von Vaude.
Im Fleckentest liegt Deuter klar vorn. Selbst Schokoladenflecken lassen sich einfach rückstandslos von der Außenseite abwischen. Bei den Konkurrenten lässt sich die weiche Schokolade zwar leicht abwischen, jedoch bleiben unschöne Fettflecken zurück. Diese sind auf dem Material von Contour Supreme und Meglis am deutlichsten zu sehen. Das unempfindliche Außenmaterial bei Deuter hat jedoch auch den Nachteil, dass es Fusseln anzieht. Alle Schlafsäcke sind gemäß Waschanleitung bei 30 Grad waschbar und passen in einer Sechs-Kilogramm-Waschmaschine. Bei Constellation stößt die Reinigung jedoch an ihre Grenzen: Teile des Stoffes sind nach Ablauf des Programms noch trocken. So wird das Modell mit den größten Abmessungen und dem meisten Füllmaterial nicht sauber.

Am Kissen des Contour Supreme stören lose Fäden und mindern den Eindruck

Fazit

Die Auswahl eines Schlafsackes ist eine höchst individuelle Entscheidung. Es liegt auf der Hand, dass ein Bergwanderer andere Bedürfnisse hat als ein Sommercamper. Vergleicht man die unverbindlichen Preisempfehlungen, liegt der Unterschied zwischen dem günstigsten und teuersten Modell bei rund 100 Euro. Das günstigste Modell von Semptec ist online bereits für knapp 18 Euro zu haben. Unser Test bestätigt jedoch, dass Qualität auch bei Schlafsäcken ihren Preis hat. Die Modelle von Vaude und Deuter haben sich dank hochwertiger Verarbeitung, Top-Funktionalität und leichter Handhabung die Spitzenplätze gesichert. Selbst wer nur gelegentlich einen Schlafsack braucht, sollte gezielt auswählen. Es lohnt sich auf Details achten. Das schont am Ende den eigenen Geldbeutel und die Umwelt. Wird beispielsweise das verwendete Außenmaterial schnell durch den Klettverschluss beschädigt wie bei Semptec, ist das ärgerlich. Denn das Problem ließe sich einfach mit einer zusätzlichen Klettfläche lösen.

Technische Daten

 

SIEGER PREIS/LEISTUNG

 

TESTSIEGER

Schlafsäcke

Deuter

Exosphere 0°

Outwell

Constellation

Outwell

Contour Surpreme

Semptec

NX-7590

Vaude

Meglis 700 Syn

 

Technische Daten

Marktpreis*/UVP

117 Euro*/160 Euro

88 Euro*/150 Euro

56 Euro*/88 Euro

18 Euro*/70 Euro

126 Euro*/170 Euro

Farbe

schwarz (innen rot)

khakigrün (innen beige)

braun

schwarz

gold und silber

Form

Mumienschlafsack

Rechteckiger Schlafsack/Decke

Rechteckiger Schlafsack/Decke

Mumienschlafsack

Mumienschlafsack

Maße (L × B)

205 × 68 – 85 cm

230 × 85 cm

220 × 85 cm

230 × 70 – 85 cm

225 × 55 – 85 cm

Körpergröße bis

185 cm

195 cm

190 cm

k. A.

190 cm

Gewicht

995 g + 80 g Packsack

2100 g

1900 g

1800 g

1450 g

Füllung

540 g

900 g

k. A.

400 g

700 g

Packmaß (B × H × T)

16 × 32 cm (zylinderförmig)

50 × 45 × 23 cm (rechteckig)

44 × 23 cm (zylinderförmig)

25 × 50 cm (zylinderförmig)

18 × 38 × 18 cm

Material (Außenbezug, Füllung, Innenbezug)

Nylon, Polyester, Nylon

Nylon, Polyester, Baumwolle

Polyester

Nylon, Polyester, Rohseide

Polyester

Reißverschluss

Zweiwegereißverschluss, Zipper innen und außen bedienbar, rechts/links erhältlich

Zweiwegereißverschluss – Autolock, L-Form, rechts/links erhältlich, Zipper innen und außen bedienbar

Zweiwegereißverschluss – Autolock, L-Form, rechts/links erhältlich, Zipper innen und außen bedienbar

Zweiwegereißverschluss, Zipper innen und außen

Zweiwegereißverschluss, Zipper innen und außen bedienbar

Temperaturbereich Komfort/Übergang/Risiko

5 °C/0 °C/15 °C

7 °C/3 °C/12 °C

13 °C/9 °C/2 °C (Sommerseite), 2 °C/4 °C/20 °C (Winterseite)

0 bis 22 °C/18 bis 2 °C/2 bis 13 °C

2 °C/ 3 °C/20 °C

Ausstattung & Zubehör

  • Zugband für Raffung des Kopfteils

  • Klettverschluss über dem Reißverschluss

  • zwei Aufhängeschlaufen am Boden

  • Kompressions-Packsack

  • Fußwärmer

  • Stretchfunktion

  • Innentasche

  • Abnehmbares Kopfteil

  • zwei Aufhängeschlaufen am Boden

  • Befestigungsschlaufen für Innenbezug

  • koppelbar

  • rechteckige Transporthülle

  • Wendbarer Schlafsack für zwei Jahreszeiten

  • zwei Lagen im Oberteil/einlagiges Unterteil

  • abnehmbare Kapuze

  • integriertes Kissen

  • zwei Aufhängeschlaufen am Boden

  • Befestigungsschlaufen für Innenbezug

  • koppelbar

  • Kompressions-Packsack

  • Innentasche

  • Zugband für Raffung des Kopfteils

  • Klettverschluss über dem Reißverschluss

  • zwei Aufhängeschlaufen am Boden

  • wasserabweisende Außenseite

  • Innentasche

  • Kompressions-Packsack

  • Zugluftkragen

  • Zugband für Raffung des Kopfteils

  • Druckknöpfe über den Reißverschlüssen

  • seitliche Armöffnungen

  • 3D-Fußbox

  • zwei Aufhängeschlaufen am Boden

  • beschichteter Packsack

  • Stretchfunktion

  • Kopfteil mit Wärmekragen

  • Innentasche

*zum Redaktionsschluss, tagesaktueller Preis kann variieren

Autor: Janine Reichert

Bildquelle:

  • Test_Schlafsaecke_Galerie01: © Auerbach Verlag
  • Test_Schlafsaecke_Galerie02: © Auerbach Verlag
  • Test_Schlafsaecke_Galerie03: © Auerbach Verlag
  • Deuter Exosphere 0: © Deuter
  • Outwell Constellation: © Outwell
  • Outwell Contour Surpreme: © Outwell
  • Semptec NX-7590: © Semptec
  • Vaude Meglis 700 Syn: © Vaude
  • Test_Schlafsaecke_Startbild: © Auerbach Verlag