Nicht nur in Zeiten von Corona bietet es sich an, seine Körperpflege selbst in die Hand zu nehmen. Wem der Gang zum Friseur zu teuer ist, legt einfach selber Hand an. Bei mancher Frisur bietet sich das geradezu an. Doch welcher technische Helfer ist der beste? Lesen Sie mehr in unserem Haarschneider Test 2021.

Die Testgeräte im Haarschneider Test 2021

Haarschneider:
Philips Series 7000 HC7650
Prinz PZ-HB2
Babyliss Men E990E
Sichler NC-2441
Remington MB7050
Beurer HR 5000

Dieser Test erschien in der Ausgabe 2/2021 der HAUS & GARTEN TEST. Dort finden Sie die Ergebnisse unseres Haarschneider-Tests mit allen technischen Details, Auswertungen und unserem Testurteil. Auch als E-Paper zum Sofort-Download!

Im Testlabor stapeln sich die Pakete für den großen Test der Haarschneider. Gleich sechs Modelle unterschiedlicher Firmen liegen bereit. Dabei sind vertreten: Sichler, Babyliss, Remington, Beurer (Barbers Corner), Philips und Dual (Prinz), die wir uns detailliert anschauen wollen. Auf den Verpackungen versprechen die Hersteller dabei Großartiges: titanbeschichtete oder selbstschärfende Klingen, Turboboost-Funktion für dickes Haar, doppelte Arbeitsgeschwindigkeit durch doppelt geschärfte Klingen oder durch „Trim-n-Flow PRO Technologie“, dazu noch 45 verschiedene Schnittlängen und wartungsfreies Arbeiten. Doch was ist dran an diesen Versprechen? Und worauf kommt es letztlich wirklich an? Wir beginnen mit dem Test und suchen nach Licht und Schatten bei der Vielzahl der Geräte.

Das Display des Babyliss-Langhaarschneiders wirkt kontrastarm und lässt sich nicht gut ablesen
Das Display des Babyliss-Langhaarschneiders wirkt kontrastarm und lässt sich nicht gut ablesen

Welches Zubehör ist für Haarschneidegeräte wichtig?

Alle Haarschneider werden mit recht unterschiedlicher Zubehörmenge geliefert. Spitzenreiter sind hierbei Babyliss mit acht und Remington mit zehn beigelegten Kammaufsätzen. Philips legt gleich ein ganzes Friseurset aus Umhang, Kamm und Schere bei. Sichler und Beurer nur Kamm und Schere. Bei allen Geräten liegt ein Reinigungspinsel bei. Babyliss, Beurer und Remington liefern zusätzlich noch Öl mit, während Philips mit Wartungsfreiheit wirbt und somit ohne Öl auskommt. Wir stellen uns die Frage nach einer passenden Aufbewahrungsmöglichkeit für die vielen Einzelteile und werden nicht überall glücklich: Sichler liefert zwar einen Aufbewahrungsständer mit Ladefunktion mit, vergisst dabei aber, dass die Aufsätze auch einen Ablageort brauchen. Dual legt dem Prinz eine Aufbewahrungstasche bei, in die entweder der Haarschneider oder die Aufsätze passen. Bei beiden Geräten sorgen wir uns darum, dass die passgenauen Zubehörteile nicht lange komplett bleiben werden, weil sie „irgendwo“ gelagert werden müssen.

Auf dem kontrastreichen in Blau beleuchteten Display des Sichler ist der aktuelle Akkustand gut ablesbar
Auf dem kontrastreichen in Blau beleuchteten Display des Sichler ist der aktuelle Akkustand gut ablesbar

Die hochwertigen Taschen von Philips und Remington sind groß genug für Gerät und gesamtes Zubehör. Für die Aufbewahrung daheim und auf Reisen sind sie nicht ganz ideal, denn innerhalb der Taschen herrscht weder Ordnung noch Übersicht. Diese gelingt nur Babyliss mit seinem strukturierten Plastikkoffer und Beurer mit der Ladehalterung, die alle Aufsätze sicher aufnehmen kann. Auf Reisen hilft die Ladehalterung wiederum nicht und der Plastikkoffer ist für unterwegs sperrig und zu groß. Kurz gesagt: Keiner der genannten Aufbewahrungsansätze ist in allen Disziplinen perfekt. Dazu müssten eine Reisetasche und eine Ladestation mitgeliefert werden.

In der praktischen Ladestation des ­Beurer finden neben dem Hauptgerät auch die Aufsätze übersichtlich ihren Platz
In der praktischen Ladestation des ­Beurer finden neben dem Hauptgerät auch die Aufsätze übersichtlich ihren Platz

Schnittleistung und Handhabung von Haarschneidemaschinen

Alle Langhaarschneider bieten auch eine Kurzschnittfunktion, die wir getrennt testen und bewerten, denn die Funktionsweise ist in beiden Fällen sehr unterschiedlich. Wir wenden uns zunächst der Kurzschnittfunktion zu, die ohne Aufsätze arbeitet und bei denen aufgrund der Nähe der Klingen zur Haut die Gefahr von Hautreizungen und leichten Schnittverletzungen besteht. Erfreulicherweise sind die Rasier-Ergebnisse bei allen Geräten recht gut und die Haut bleibt in allen Fällen unversehrt. Manche Rasierer lassen beim ersten Durchgang noch einige Haare stehen und erwischen sie erst beim zweiten oder dritten Mal. Es gibt aber keine Geräte, die wirklich patzen, und je nach Art der Behaarung und Anwendungsweise des Haarschneiders sind stets stehenbleibende Haare zu erwarten, die eine erneute Behandlung erfordern. Sichler und Babyliss liegen beim Kurzschnitt ganz hinten, während der Philips sich hier den ersten Platz holt.

Die Verriegelungstaste des Remington verhindert effektiv ein ungewolltes Starten des Motors beim Transport
Die Verriegelungstaste des Remington verhindert effektiv ein ungewolltes Starten des Motors beim Transport

Wir wechseln zum Langschnitt und verwenden die mitgelieferten Aufsätze. Es fällt uns nicht leicht, alle Aufsätze auf Anhieb korrekt anzubringen, aber weil wir uns sicher sind, dass sich die notwendigen Handgriffe beim Käufer schnell einspielen werden, lassen wir diesen Aspekt unbewertet. Die korrekt montierten Aufsätze verhindern ab nun Hautreizung und Schnittverletzungen, sodass unser Hauptaugenmerk auf Gleichmäßigkeit und Gesamtergebnis des Langhaarschnitts liegt. Es zeigt sich, dass die Geräte mit den besten Leistungen beim Kurzhaarschnitt auch mit Langhaaraufsatz die besten Resultate liefern. Dies liegt vermutlich an der Beschaffenheit und Qualität der Klinge, die sich ja zwischen den Disziplinen nicht ändert. Sieger des Funktionstests ist der Philips, der sich nahezu mühelos und wirklich gründlich durch alle Arten von Haaren arbeitet, dicht gefolgt vom Prinz. Wirklich toll und dringend zu erwähnen ist die vom Hersteller Philips so benannte „Trim-n-Flow“-Funktion, bei der der Schneideapparat die abgeschnittenen Haare geschickt vom Klingenbereich wegleitet, sodass die Klinge weiterhin ungestört arbeiten kann. 

Das Einstellrad des Remington ist für große Hände eindeutig zu dünn und dabei zusätzlich schwer zu drehen
Das Einstellrad des Remington ist für große Hände eindeutig zu dünn und dabei zusätzlich schwer zu drehen

Sicherheit und Aufladung

In Hinblick auf die Sicherheit kann uns nur Remington mit einem richtigen Einschaltschutz begeistern: Nur bei diesem ist ein vollwertiger, separater Schalter vorhanden, der einen versehentlichen Start des Motors unterbindet. Der Prinz-Langhaarschneider bietet immerhin einen Schiebeschalter, der sich in der Aufbewahrungstasche nur mit Mühe bewegen lässt. Alle anderen Geräte besitzen keinen (Philips) oder keinen nennenswerten Einschaltschutz, da die leichtgängige Einschalttaste nach mehrsekündigem Drücken den Motor letztlich doch startet: Eine trügerische Sicherheit, wenn man die möglichen Schäden betrachtet, die ein unbeaufsichtigt laufender Langhaarschneider an Kleidung und sonstigem Gepäck anrichten kann. In unseren Augen sparen die Hersteller hier an der falschen Stelle.

Die schwarz gedruckte obere Zeile der spiegelnden Philips-Skala (links) ist kaum erkennbar. Mustergültig die Lesbarkeit beim Babyliss (rechts)
Die schwarz gedruckte obere Zeile der spiegelnden Philips-Skala (links) ist kaum erkennbar. Mustergültig die Lesbarkeit beim Babyliss (rechts)

Der Sichler bietet als einziger Kandidat eine Arretierung der Schnittlänge, damit sich diese nicht unbemerkt während des Schnittvorgangs verstellt. Wenn wir uns die Aufladefunktionen anschauen, finden wir ein gemischtes Bild: Beurer und Babyliss bieten eine Schnellladefunktion, um nach 5 beziehungsweise 20 Minuten Aufladung eine komplette Rasur erledigen zu können. Die versprochenen Akkulaufzeiten von ein bis drei Stunden Betriebsdauer erreichen bis auf den Remington alle Geräte. Remington erwähnt zwar vollmundig „bis zu fünf Stunden Betriebsdauer“, erreicht diese aber sogar im unrealistischen reinen Leerlaufbetrieb nur zu 60 Prozent, was bei uns erst selten so extrem vorgekommen ist und für uns der Grund für eine starke Abwertung des Geräts ist.

Die Turbotaste (T) vom Philips erhöht die Motordrehzahl während der Betätigung, um dickes Haar zu schneiden
Die Turbotaste (T) vom Philips erhöht die Motordrehzahl während der Betätigung, um dickes Haar zu schneiden

Unser Fazit im Haarschneider-Test

Alle Produkte aus dem Testfeld der Langhaarschneider liefern solide bis sehr gute Schnittleistungen ab, sodass nur recht geringe Unterschiede in der Endnote entstehen. 

Bei genauerem Hinsehen entdecken wir bei dem einen oder anderen Kandidaten echte Liebe zum Detail, wenn es um die Aufbewahrung der Geräte geht, und andere legen Friseur-Utensilien wie Kamm, Schere und Umhang bei, die wir gar nicht erwartet hätten. 

Beim Barbers Corner (Beurer) sammeln sich zwischen Klinge und Gehäuse viele Haare. Besser läuft es beim Philips, der die Haare von der Klinge weg leitet
Beim Barbers Corner (Beurer) sammeln sich zwischen Klinge und Gehäuse viele Haare. Besser läuft es beim Philips, der die Haare von der Klinge weg leitet

Einmal mehr als ärgerlich empfinden wir allerdings die teilweisen Übertreibung bei der versprochenen Akkulaufzeit und unzureichende Sperr-Funktionen, die im besten Fall nur einen leeren Akku, im schlimmsten Fall Verletzungen und Sachbeschädigung zur Folge haben können. Insofern kann unser Vergleichstest wieder einmal bei der Kaufentscheidung helfen und vermeidet sicherlich den einen oder anderen Fehlkauf. 

Dieser Test erschien in der Ausgabe 2/2021 der HAUS & GARTEN TEST. Dort finden Sie die Ergebnisse unseres Haarschneider-Tests mit allen technischen Details, Auswertungen und unserem Testurteil. Auch als E-Paper zum Sofort-Download!

Testverfahren Haarschneidemaschinen
Funktion: Probanden bewerten den Kurzschnitt und den Langschnitt (mit Aufsatz) jeweils in Bezug auf Ziepen oder Haken und wie flüssig und störungsfrei gearbeitet werden kann, das Ergebnis und die Gleichmäßigkeit sowie, ob Rötungen oder Hautreizungen entstehen. Die reale Akku-Laufzeit wird in mehreren Durchgängen im Dauerbetrieb ermittelt. Abweichungen von über 5 Prozent zur Herstellerangabe führen zu Notenabzügen. Des Weiteren fließt die Laufzeit im Vergleich zum Testfeld in die Wertung ein.
Handhabung: Die Bedienfreundlichkeit der Testgeräte setzt sich zusammen aus der Wertung für Handlichkeit und Grip der Geräte, Funktionalität, Gängigkeit und Lage der Bedienelemente sowie den Wechsel der Aufsätze. Bei der Bewertung der Reinigung werden insbesondere Aufwand, Dauer sowie die Modularität der Geräte und die Zugänglichkeit der Schmutzstellen beurteilt. Das Betriebsgeräusch ergibt sich aus der praxisnahen Messung im Testlabor auf einer Distanz von 15 Zentimetern zur Scherkopfmitte, bis 60 dB(A) wird die Note 1 vergeben. Außerdem fließt die Wertung des Geräuschempfindens der Probanden in die Wertung ein. Die Bedienungsanleitung wird anhand ihrer Qualität (Bilder, Struktur, Zuordnung der Einzelteile, Schriftgröße, Anwendungstipps) bewertet.
Verarbeitung: Beurteilt werden insbesondere Wertigkeit und Gleichmäßigkeit der Materialien, sowie eventuell vorhandene Klemmstellen und Grate. Ebenso eine mögliche ungenaue Verarbeitung in Form von Spalten und Ritzen. Auch die Passgenauigkeit der modularen Teile fließt ein, letztere ist besonders dann entscheidend wenn beispielsweise der Akku austauschbar ist.
Ökologie: Bewertet werden mögliche unnötige Verpackung und entstehender Müll, insbesondere zu vermeidende Kunstoff- bzw. Styroporanteile sowie die Effizienz des Gerätes, also das Verhältnis von beim Laden aufgenommener Energie (Wh) zur daraus erzielten Akkulaufzeit.
Sicherheit: Die Sicherheit und Unversehrtheit des Nutzers stehen hier im Fokus. Geprüft und bewertet wird, wie gut das Gerät und die Bedienungsanleitung verhindern können, dass dem Nutzer durch Klemmen oder Schneiden Schäden entstehen. Zusätzlich fließt die Möglichkeit zur Einschaltsperrung in die Bewertung ein.
 

Autor: Andreas Müller

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