Unze, Quäntchen & Co.: Alte Maßeinheiten vorgestellt

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Heute stoßen wir allenfalls noch in Märchen und alten Büchern auf die Maßangaben „Unze“, „Talent“ oder „Gran“. Ein kleiner Rückblick in die Zeit vor der Einführung des metrischen Systems.

In Amerika weiter genutzt: Unze

Zwar ist die Unze in Deutschland nicht mehr als offizielle Maßeinheit zulässig, im angloamerikanischen Maßsystem aber noch vollkommen gebräuchlich („ounce“). Umgerechnet wiegt sie circa 28,35 Gramm, als Apothekergewicht 31,1 Gramm. Parfums werden häufig in Flüssigkeitsunzen (floz) bemessen, wobei eine Einheit rund 28,4 cm3 (UK) beziehungsweise rund 29,6 cm3 (USA) beträgt.

Kleines Kind der Unze: Skrupel

Dieses aus dem Badischen stammende Gewichtsmaß bezeichnet den vierundzwanzigsten Teil einer Unze. Im metrischen System entspricht dies einem Gewicht von rund 1,3 Gramm.

Hier geht’s um Volumen: Scheffel

Nicht als Gewichts-, sondern als Raummaß wurde der Scheffel angewandt und kam nicht nur als Einheit, sondern auch als zylinderförmiges Schaufelwerkzeug (besonders beim Abmessen von Getreide und Steinkohle) zum Einsatz. Dieses erlaubte allerdings keine besonders genaue Dosierung, sodass in Preußen sogar verschiedene Mindestgewichte für unterschiedliche Güter festgelegt wurden. So hatte ein Scheffel voll Hafer wenigstens 45,5 preußische Pfund zu wiegen, ein Scheffel Gerste mindestens 55,5 preußische Pfund.

Aus dem Mittelalter: Heller

Eigentlich eine Geldmünze, wurde der Heller im Mittelalter auch als kleines Krämergewicht genutzt und maß den vierundsechzigsten Teil einer Unze, also etwa 460 Milligramm.

Das Korn: Gran

Das Gran als alte Masseeinheit hat seinen Ursprung wohl von dem Wort „Korn“ und weist einige regionale Unterschiede auf. So misst das englische Gran („Grain“) etwa 64,8 Milligramm und wird noch heute bei der Angabe von Munitionsmasse genutzt. Das französische Gran ist dagegen nur rund 53,1 Milligramm, das deutsche Gran als
Münzgewicht ganze 812 und als Apothekergewicht nur 62,2 Milligramm schwer.

Mächtig schwer: Talent

Wer gern in alten Sagenbüchern schmökert, hat vielleicht schon einmal über das „Talent“ als Währungseinheit gelesen. Im alten Babylon zahlte man größere Anschaffungen (Söldner, Schiffe, Sklaven) in Talenten von Silber oder, seltener, auch Gold. Ein Talent maß dabei in etwa 150 Kilogramm – man stelle sich nur die Ausmaße der heutigen Geldbeutel vor!

Was Pferde tragen: Roßsaum

Kein leichtes Leben hatten die Tragpferde der Handelnden, wenn ihnen ein ganzer „Roßsaum“ aufgebuckelt wurde. Diese Einheit galt als Normlast an Waren, die ein
Ross tragen konnte, und bezifferte umgerechnet ganze 168 Kilogramm.

Kleines Glück: Quentchen

Die Verkleinerungsform des alten deutschen Handelsgewichte Quent würde heute mit rund 3,65 Gramm aufgewogen. Wer also nur ein „Quentchen Glück“ benötigt, dem fehlt wirklich nicht mehr viel zum Erreichen seines Ziels.

Unterlag regionalen Schwankungen: Lot

Wenn ein Reisender früher beim Handeln etwas in Lot bemessen wollte, konnte er leicht in Schwierigkeiten kommen. Dieses Maß war nämlich nicht nur regionalen, sondern auch noch zeitlichen Schwankungen unterworfen. Vor 1856 differierte der Wert eines Lots zwischen 14,6 Gramm (z. B. in Preußen und Nassau) und 17,5 Gramm (in Österreich). Seit einer preußischen Gesetzesänderung am 27. Mai 1856 betrug das festgelegte Gewicht dort schließlich umgerechnet 16,66 Gramm.