Der Markt der akkubetriebenen Stielstaubsauger der Spitzenklasse ist ein (noch) recht übersichtlicher, nur wenige Hersteller wagen sich in die Akku-Klasse über 30 Volt, zwei der Hochleistungsmodelle sind aber auf jeden Fall einen Blick wert – und einen Test.

Die Testgeräte

Black+Decker SVFV3250L EUR 235,89
Grundig VCH 9530 EUR 159,99

 
Hier gibt es den Test als Gratis-PDF zum Download!

So weit die modernen Akku-Sauger auch entwickelt sind, so stark die Lithium-Ionen-Akku-Herzen auch schlagen können, so kraftvoll die Walzenborsten auch den Teppich „massieren“ können, so sehr ist das Grundproblem aller Akkusauger doch noch nicht gelöst: Die reine Saugleistung ist noch weit von der entfernt, die selbst preiswerteste Staubsauger mit Kabel liefern können. Zwei Fragen stellen sich daher von ganz allein in den Raum: Wie saugstark sind die Geräte der Top-Klasse und können die Volt-Könige einen herkömmlichen Bodenstaubsauger komplett ersetzen?

Hart und staubig

Erwartungsgemäß erzielen die beiden Testkandidaten sehr gute Ergebnisse bei der Partikelaufnahme vom Hartboden. Staub und Sand werden schon im ersten Arbeitsgang erfolgreich aufgenommen, die Saugleistung von Black+Decker und Grundig darf als hoch bezeichnet werden. Einen kleinen Vorteil erarbeitet sich der SVFV3250L, die Walzenborste hinterlässt einen sehr sauberen Bereich, wo gar kein Staub mehr zurückbleibt, der VCH 9530 hinterlässt ganz dezente Staubstreifen. An Düsenfront und -seite sind die Unterschiede allerdings deutlich größer, der VCH 9530 leidet hierbei nicht nur unter einem an sich vorteilhaften Ausstattungsdetail, sondern auch an der Breite der Düse in Relation zur Walzenbürste und dem Saugkanal.

Wird die Düse exakt an z.B. der Scheuerleiste entlang geführt, so stört hierbei der Möbelschutz-Puffer (ein kleiner Gummi-Puffer an Front und Seite der Düse), die an der Scheuerleiste reibt, was die Düse in leichte Querbewegungen versetzt. Das Problem löst sich aber, wenn man die Düse zieht und sich an dieses Phänomen gewöhnt hat (etwas Übung benötigt der Umgang ja mit jedem Akku-Staubsauger). Die Rahmenbreite der Düse hingegen lässt sich nicht ändern, ist doch etwas zu großzügig, weshalb die Walzenbürste den Bodenkanten nicht so nahe kommt wie es beim SVFV3250L der Fall ist. Dieser hinterlässt an der Front und Seite nur einen sehr schmalen, leichten Schmutzstreifen.

Weich und staubig

Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich auch bei der Partikelaufnahme vom Teppich: Die beiden Testkandidaten arbeiten durchaus kraftvoll und saugstark, der Black+Decker hat auch hier die Nase vorn, verfehlt jedoch knapp ein sehr gutes Ergebnis. Auch nach vier Arbeitsgängen bleibt Mineralstaub zurück. Während der Feinstaub souverän aufgesaugt wird, bleiben v.a. die größeren Partikel mit 200 bis 400 Mikrometer Durchmesser im Teppichgewebe, die Restschmutzquote liegt hier aber im niedrigen Bereich unter 3 Prozent, eine signifikante Reinigungsschwäche kann somit auf keinen Fall festgestellt werden. Auch das Ergebnis des VCH 9530 ist alles andere als schlecht, die Restmutzquote liegt bei 5 Prozent, das ist wirklich gut, wird aber auch schon von modernen Mittelklasse-Modellen erzielt, die auf Li-Ion-Akkus setzen. Mehr als zwei Arbeitsgänge sind beim Grundig nicht nötig, das Ergebnis verbessert sich mit dem dritten bzw. vierten nicht, der VCH 9530 ist somit ein „schnellerer“ Staubsauger als der Black+Decker.

Fusselig und ausdauernd

Schon bei den Akku-Stielstaubsaugern der Mittelklasse war bisher immer eine gute bis sehr gute Faseraufnahme vom Teppich zu ermitteln, bei den Volt-Königen ist dies erwartungsgemäß nicht anders. Die Walzenborsten nehmen Fasern und Tierhaare sehr gut auf, reiben oder kämmen gar diese förmlich vom Teppich und auch aus dem Teppich, wenn es sich um Hochflorauslegeware handelt. Dass die Walzenborsten der Schlüssel zum Erfolg sind, merkt der Anwender ganz einfach, wenn er diese beim SVFV3250L abschaltet (dies ist bei diesem Modell möglich): Nur locker auf dem Teppich liegende Fasern werden noch entfernt, sobald aber die Fasern eine Verbindung mit dem Teppich eingegangen sind, genügt die Saugleistung nicht mehr aus. Die Walzenbürste sollte daher auf Auslegeware immer aktiv sein. Geht es hingegen nur um das Aufsaugen von großen Parikeln auf Hartböden, kann die Walzenbürste deaktiviert werden, in der Akkulaufzeit macht sich dies allerdings nicht bemerkbar.

Stromhungrig und spannend

Egal wie groß ein Akku ist, so ist der Spagat zwischen Saugleistung und Betriebszeit immer ein schwieriger. Die beiden Testkandidaten beschreiten hierbei ganz unterschiedliche Wege, der VCH 9530 ist eher auf eine möglichst lange Betriebszeit ausgelegt (Grundig verspricht 40 Minuten, real werden durchschnittlich 37 Minuten erreicht), der SVFV3250L eher auf Saugleistung, wobei die 25 Minuten auch nur knapp verfehlt werden (durchschnittlich 23 Minuten kann man mit dem Black+Decker arbeiten). Quasi Gleichstand herrscht beim Ladestrom: Die NiMH-Zellen des Grundig werden mit 17 Watt geladen, die Li-Ion-Zellen des Black+Decker mit deren 20.

Das sind – absolut betrachtet – gute Werte, relativ gesehen aber verbesserungsfähige, denn solche Werte sind schon bei Mittelklasse-Modellen zu messen und diese besitzen ja nur halb so viele Akkuzellen und eine geringe Kapazität. Daher können auch die Ladezeiten nicht unbedingt als rekordverdächtig bezeichnet werden: Der VCH 9530 benötigt durchschnittlich 5 Stunden und 15 Minuten, der Black+Decker knapp 3 Stunden und Stunden, die Herstellerangaben (5 bzw. 4 Stunden) sind aber somit mehr als nur grobe Richtwerte und keinesfalls übertriebene Werbeaussagen.

Handlich und sauber

Das Führen der beiden Akkusauger über alle typischen Bodenbeläge gestaltet sich sehr einfach, das Eigengewicht der Geräte wirkt sich nicht problematisch aus. Die flexiblen Düsenköpfe ermöglichen auch enge Drehradien, die Gewichtsverteilung der Geräte ist gelungen, das Handgelenk des Nutzers muss nicht stets kraftvoll stabilisierend auf die Stiele einwirken. Die Griffgestaltung beim VCH 9530 verdient übrigens ein Sonderlob, die Gummierung am Griffstück ist angenehm auch mit leicht feuchten Händen zu halten, zudem sehr rutschfest.

Dank der Modularität der Testkandidaten stellt auch die Reinigung kein Hürde dar. Die Zyklonbehälter lassen sich komplett zerlegen und auch auswaschen, die Filter sind ebenfalls waschbar und die Passgenauigkeit der Einzelteile gut. Während beim VCH 9530 alle Zyklonbehälterteile bequem ineinander gesteckt werden können, muss man beim SVFV3250L einen Arretierungshebel drücken, das 12-Zyklon-System im Inneren ist ein komplexes, daher nicht ganz so einfach zu reinigen wie das des Grundig.

Die Walzenborsten, die sich unweigerlich mit (Tier)Haaren und lagen Fasern zusetzen, lassen sich jeweils entnehmen, beim VCH 9530 muss hierfür ein kleiner Sicherungsdeckel gelöst werden (Schraubendreher oder auch ganz einfach mit einem 5-Cent-Stück), beim SVFV3250L muss man nur einen kleinen Schalter drücken, die Abdeckung samt Walzenbürste schnappt dann hoch und kann kinderleicht gereinigt werden.

Die Handhabung des Handgeräts des SVFV3250L ist hingegen nicht kinderleicht, was vor allem und ganz simpel am Eigengewicht liegt. Stattliche 2 Kilogramm bringt das Handgerät auf die Waage und ist damit 50 Prozent schwerer als die Top-Geräte der Hand-Akkusauger (siehe Test Ausgabe 4.2015). Für den schnellen Krümel-Saugeinsatz zwischendurch wäre aufgrund der Maße und Masse der SVFV3250L nicht wirklich geeignet, wenn da nicht der herausziehbare Saugschlauch wäre. Dieser ändert die Handhabung grundlegend, denn der Nutzer kann das Handgerät bequem in eine Hand nehmen und mit der Führhand dann Schlauch samt Düse nutzen. Aufgrund der Saugleistung und der Düsen (lobenswert v.a. die lange Fugendüse, die exzellent für Polstermöbel und den PKW-Bereich geeignet ist) ergibt sich dann ein hoch-funktionales Multitalent, das allenfalls bei der Faseraufnahme von textilen Oberflächen leichte Schwächen offenbart.

Die Tierhaardüse ist aber keinesfalls schlecht, sie funktioniert sogar gut, eine kompakte Walzenbürstendüse ist aber effektiver und auch etwas bequemer zu nutzen, da hier die mechanische Arbeit nicht vom Nutzer vollzogen werden muss.Im Quervergleich zu den in den letzten Jahren getesteten Akku-Stielstaubsaugern zeigt sich bei den beiden Oberklassenmodellen, dass die reine Saugleistung noch nicht an die der Bodenstaubsauger heranreicht, die beiden Akku-Stielstaubsauger von Black+Decker und Grundig eignen sich trotzdem wirklich gut für die alltägliche Reinigung, das Zwischendurchsaugen oder auch als Sauger im Gartenhaus – und beeilen muss der Nutzer sich bei der Arbeit auch nicht.

So testen wir

Die Testgeräte: 2 Akku-Stielstaubsauger

Funktion: Der Testparcours ist an DIN EN 60312 angelehnt. Auf Hartboden werden unterschiedliche Staubarten zwischen 50 und 1 000 Mikrometer aufgesaugt. Selbiges gilt für Auslegeware, wofür drei typische Modelle aus dem Fachhandel benutzt werden. Anhand dieser Testreihen wird auch die Staubaufnahme entlang von Wänden gemessen. Die Faseraufnahme wird auf den Auslegewaren getestet, Baumwoll-, Wollfasern sowie Tierhaare werden appliziert. Die Akkulaufzeit ergibt sich aus der vier Durchläufen auf höchster Leistungsstufe, bis hin zu 40 Minuten gibt es die Note 1,0.

Handhabung: Eine Gruppe geschulter Probanden überprüft und bewertet die Funktionalität, Gängigkeit und Ergonomie sämtlicher Bedienelemente. Hierzu gehört auch das Führen des Staubsaugern auf allen Testböden. Das Betriebsgeräusch wird praxisnah 50 Zentimeter über dem Handgriff gemessen, bis 70 dB(A) wird die Note 1,0 vergeben. Bei der Reinigungsnote wird die Modularität, die Entleerung des Staubcontainers, die Säuberung der Walzenbürste, der Filter sowie der Düsen bewertet. Die Akkuladeeffizienz ergibt sich aus der Relation zwischen Betriebs- und Ladezeit. Die Bedienungsanleitung wird auf die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheits- und Entsorgungshinweise geprüft und anhand ihrer Qualität (Bilder, Struktur, Schriftgröße sowie Anwendungshinweise) bewertet. Bei der Unterbringung werden Parkposition, Zubehörlagerung und Ladestation bewertet.

Verarbeitung:
Die Probanden bewerten die allgemeine Wertigkeit, eventuelle Klemmstellen, unangenehme Gerüche und natürlich das Nicht- bzw. Vorhandensein von Graten und scharfen Kanten, sowie die Größe von Spalten und Ritzen und die Passgenauigkeit aller Teile.

Autor: Jan Stoll

Alle Details auf einen Blick

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